KATEGORIE · PH ARTICHOKE

PH Artichoke – 72 Blätter, blendfreies Licht und ein Restaurantauftrag von 1958

Louis Poulsen nennt den Langelinie Pavillon in Kopenhagen als Ausgangspunkt; das V&A zeigt das Objekt als Kopenhagener Leuchte von 1960

Die Quellenlage zur PH Artichoke ist erfreulich konkret: Louis Poulsen verortet den Entwurf in einem Auftrag von 1958 für den Langelinie Pavillon und erklärt die blendfreie Wirkung über 72 sorgfältig gesetzte Blätter. Das V&A ergänzt dazu Material und Konstruktion eines Kopenhagener Exemplars von 1960 – mit Kupferblättern, verchromtem Stahlgerüst und weiß gefassten Innenseiten.

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PH Artichoke

ESSAY · 01

Werk & Kontext

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Die PH Artichoke ist nur dann wirklich verstanden, wenn man sie als Lichtmaschine liest und nicht bloß als Luxusschirm

Bei PH Artichoke fällt es leicht, zuerst an ein ikonisches Bild zu denken: große Kupferblätter, skulptural aufgehängt, repräsentativ und teuer. Die belastbaren Quellen zeigen aber, dass die Leuchte gerade nicht aus bloßer Effektlust entstanden ist. Louis Poulsen schreibt, dass Poul Henningsen 1958 beauftragt wurde, für den Langelinie Pavillon in Kopenhagen ein Pendel zu entwerfen, das aus jedem Blickwinkel blendfreies Licht liefert. Genau aus dieser Aufgabe erklärt sich die Form viel besser als aus jeder nachträglichen Ikonensprache.

Das macht die Leuchte auch für den Shop-Kontext interessant. Wer auf mid-century·designs nach Mid-Century-Lampen, Bauhaus oder direkt im Shop stöbert, trifft ständig auf Objekte, die formal stark wirken, konstruktiv aber schwächer erklärt sind. An der PH Artichoke lässt sich vorbildlich sehen, wie Lichttechnik, Material und Raumwirkung zusammengehören.

Die berühmten Blätter sind kein Ornament, sondern Teil einer präzisen Lichtlogik

Die oft zitierte Blattform ist bei der PH Artichoke mehr als ein dekorativer Einfall. Louis Poulsen erklärt die verfeinerte Lichtwirkung ausdrücklich über 72 sorgfältig platzierte Blätter. Diese Zahl ist nicht nur eine nette Herstelleranekdote; sie zeigt, wie stark der Entwurf aus einer kontrollierten Staffelung von Abschirmung und Reflexion lebt. Der Name der Leuchte verweist direkt auf diese geschichtete, artischockenartige Struktur.

Das Victoria and Albert Museum beschreibt sein Exemplar als Artichoke Lamp, gefertigt 1960 in Kopenhagen, hergestellt von Louis Poulsen und entworfen von Poul Henningsen. Besonders nützlich ist die physische Beschreibung des Museums: Die Leuchte besteht aus Kupfer, Stahl und Kunststoff; die Form entsteht aus Lagen von Kupferblättern, die an einem Gerüst aus gebogenen, verchromten Stahlstreifen befestigt sind. Das V&A spricht sogar von einer kugeligen, dodekaedrischen Struktur. Damit wird klar, dass die PH Artichoke nicht einfach ein kupfernes Objekt mit schöner Oberfläche ist, sondern ein ziemlich anspruchsvoll gebautes Lichtobjekt.

Für Käufer historischer Pendelleuchten sind Material und Blattzustand wichtiger als die bloße Silhouette

Genau hier liegt der praktische Mehrwert. Bei Angeboten im Vintage-Markt sollte man nicht nur fragen, ob eine Leuchte “wie Artichoke” aussieht. Wichtiger sind Blattzahl, Befestigung, Oberflächenfassung, Reflexionsflächen, Rahmengerüst und Spuren späterer Reparaturen. Das V&A betont, dass die Kupferblätter an das Stahlgerüst angesetzt sind und die inneren Flächen das Licht mitsteuern. Louis Poulsen ergänzt, dass selbst bei der späteren schwarzen Ausführung die Unterseiten der Blätter weiß bleiben, damit das Licht korrekt reflektiert wird. Daraus lässt sich lernen: Sichtbare Farbe allein reicht nicht, weil die Lichtqualität auch von den weniger offensichtlichen Innenseiten abhängt.

Ebenso hilfreich ist der Blick auf Henningsens größere Arbeitsweise. Auf seiner Designerseite beschreibt Louis Poulsen den Beginn der Zusammenarbeit mit Henningsen in den 1920er Jahren und ab 1925 als lebenslange Verbindung. Die PH Artichoke steht also nicht isoliert, sondern in einer längeren Entwicklung des PH-Systems, in dem Lichtführung, Blendkontrolle und Alltagstauglichkeit systematisch zusammengedacht wurden. Für Sammler ist das relevanter als das bloße Schlagwort “dänische Ikone”.

Quellen

FAQ · 02

Häufig gefragt zu PH Artichoke

5 Antworten

01
Seit wann gibt es die PH Artichoke?
Louis Poulsen schreibt, dass Poul Henningsen 1958 mit einem Pendel für den Langelinie Pavillon in Kopenhagen beauftragt wurde. Das V&A datiert sein dort beschriebenes Exemplar als in Kopenhagen gefertigte Leuchte von 1960.
02
Warum heißt die Leuchte PH Artichoke?
Laut Louis Poulsen leitet sich der Name von den 72 sorgfältig angeordneten Blättern ab. Das V&A beschreibt die Form entsprechend als stilisierte Artischocke aus geschichteten Metallblättern.
03
Was ist der funktionale Kern des Entwurfs?
Louis Poulsen betont, dass die Leuchte aus jedem Blickwinkel blendfreies Licht liefern sollte. Gerade diese Verbindung aus skulpturaler Hülle und kontrollierter Lichtführung erklärt ihren Rang weit über bloße Dekoration hinaus.
04
Welche Materialien sind für historische Exemplare wichtig?
Das V&A nennt für sein Objekt Kupfer, Stahl und Kunststoff und beschreibt ein Gerüst aus gebogenen, verchromten Stahlstreifen mit aufgesetzten Kupferblättern. Für die Objektprüfung sind Materialkonsistenz, Blattzustand und Oberflächenfassung deshalb zentral.
05
Welche Rolle spielt Poul Henningsen im größeren Designkontext?
Louis Poulsen beschreibt Henningsen als prägenden Lichtgestalter und datiert den Beginn seiner Zusammenarbeit mit dem Unternehmen in die 1920er Jahre beziehungsweise ab 1925 auf Lebenszeit. Die PH Artichoke gehört damit in eine längere Entwicklung des PH-Lichtsystems, nicht in eine isolierte Stilgeste.

GLOSSAR · 03

Verwandte Begriffe

6 Einträge

Poul Henningsen
Dänischer Gestalter, den Louis Poulsen als "Original Master of Light" beschreibt. Seine Zusammenarbeit mit dem Hersteller begann laut Unternehmensseite in den 1920er Jahren und dauerte bis zu seinem Tod.
Langelinie Pavillon
Modernistisches Restaurant in Kopenhagen, für das Henningsen die PH Artichoke laut Louis Poulsen 1958 entwarf.
Blendfreies Licht
Zentrales Ziel des Entwurfs. Louis Poulsen erklärt, dass die PH Artichoke aus jedem Blickwinkel glare-free light bieten sollte.
72 Blätter
Von Louis Poulsen genannte Zahl der sorgfältig platzierten Blätter, die sowohl die Lichtverteilung als auch den Namen der Leuchte erklären.
Dodekaedrische Kugel
Das V&A beschreibt das innere Gerüst der Leuchte als aus gebogenen, verchromten Stahlstreifen gebildete kugelige Struktur, an der die Blätter befestigt sind.
Weiße Innenseiten
Louis Poulsen erläutert am schwarzen Modell, dass die Unterseiten der Blätter weiß ausgeführt sind, damit das Licht wirksam reflektiert wird.