George Nakashima und das Denken vom Baum her
George Nakashima (1905–1990) gehört zu jenen Figuren der Moderne, die sich nicht bruchlos in die Erzählung vom industriellen Fortschritt einfügen lassen. Ausgebildet als Architekt am MIT, geprägt durch Aufenthalte in Frankreich, Japan und Indien, wo er im Ashram von Sri Aurobindo in Pondicherry als Zimmermann arbeitete, kehrte Nakashima 1940 in die USA zurück. Die Internierung japanischstämmiger Amerikaner brachte ihn 1942 in das Lager Minidoka in Idaho, wo er beim issei-Zimmermann Gentaro Hikogawa traditionelle japanische Holzbearbeitung studierte. Nach der Freilassung durch die Bürgschaft des Architekten Antonin Raymond ließ er sich 1943 in New Hope, Pennsylvania, nieder. Dort entstand jenes Werk, das die organische Moderne in Nordamerika bis heute prägt: Möbel, die den Baum als Mitautor begreifen und die Fuge zwischen japanischer sashimono-Präzision und amerikanischer studio craft schließen.
Nakashimas Haltung war programmatisch. In seinem Buch “The Soul of a Tree” (1981) formulierte er die Verpflichtung des Handwerkers, dem Holz ein zweites Leben zu geben. Freie Schwarten, natürliche Risse mit Butterfly-Zinken (chigiri) stabilisiert, geölte Oberflächen statt Hochglanzpolituren: Das ist keine Rustikalisierung, sondern eine dezidierte Gegenposition zur anonymen Serienproduktion der Nachkriegsjahre. Wer Nakashima sammelt, sammelt eine Ethik.
1. Charakteristische Materialien und Konstruktion
Im Zentrum steht der amerikanische Schwarznussbaum (Juglans nigra), meist aus Beständen im Osten der USA. Nakashima bevorzugte breite, ungetrimmte Bohlen mit erhaltener Waldkante, häufig aus einem einzigen Stamm gesägt, sodass die Maserung als eigenständige Zeichnung erhalten bleibt. Für Sitzflächen und feinere Arbeiten kamen Kirsche und Hickory hinzu, für Kontraste dunkles Rosewood, gelegentlich Buckeye Burl mit seiner charakteristischen Wolkung oder englischer Nussbaum.
Konstruktiv verband er japanische Zimmermannslogik mit amerikanischen Materialstärken. Die Butterfly-Keile aus Palisander sind kein Ornament, sondern statische Klammer für Wuchsrisse; die freien Kanten werden nicht begradigt, sondern behutsam von Splint und Bast befreit und mit Tungöl behandelt. Typisch ist der Conoid Chair (ab 1960), dessen namensgebendes Studio in New Hope eine hyperbolische Betonschale ist: ein freischwingender Stuhl auf zwei kufenartigen Beinen, dessen Rückenlehne aus Hickoryspindeln gefertigt wird. Der Conoid Table wiederum ruht auf zwei kantigen Nussbaumwangen, die die schwere Slab-Platte ohne sichtbare Verschraubung tragen. Weitere zentrale Modelle sind der Minguren I und II, der Frenchman’s Cove Table, die Origins-Serie sowie der Straight-Backed Chair, der auf Windsor-Traditionen zurückgreift.
2. Regionale Schulen und das Umfeld der organischen Moderne
Nakashima operierte nie im Vakuum. New Hope, Pennsylvania, war in den Nachkriegsjahrzehnten ein Knotenpunkt der amerikanischen Studio-Craft-Bewegung. Parallel arbeitete Wharton Esherick, oft als “Dean of American Craftsmen” bezeichnet, in Paoli an einem expressionistisch-skulpturalen Vokabular. Phillip Lloyd Powell und Paul Evans betrieben in New Hope ihr gemeinsames Studio, in dem sie Nakashimas Materialkultur um metallverarbeitende und modernistische Formen ergänzten. Diese lose Gruppierung wird gelegentlich als “New Hope School” bezeichnet.
International steht Nakashima im Dialog mit der skandinavischen Moderne eines Hans J. Wegner oder Finn Juhl, teilt mit ihnen die Wertschätzung des Vollholzes, unterscheidet sich aber in der Absage an jede formale Idealisierung des Werkstoffs. In Kalifornien arbeiteten Sam Maloof und J. B. Blunk in verwandter Gesinnung, wobei Maloofs Stühle stärker der bildhauerischen Kurve verpflichtet sind. Nakashimas Aufträge für die Rockefeller-Familie in Pocantico Hills (ab 1973), für das Kloster Christ Church in Rochester sowie die späten “Altars for Peace” markieren die Reichweite seines Werks jenseits des Wohnbereichs. Nach seinem Tod führt seine Tochter Mira Nakashima das Studio in New Hope weiter und fertigt bis heute autorisierte Stücke nach den Zeichnungen des Vaters wie eigene Entwürfe.
3. Authentizität, Provenienz und Zustand für Sammler
Nakashima verkaufte den überwiegenden Teil seiner Produktion direkt aus dem Studio in New Hope. Für jedes Möbelstück wurde eine Auftragskarte angelegt, in der Kundenname, Maße, Holzart und häufig eine Skizze festgehalten sind. Diese Karten werden im Studio archiviert und sind der zentrale Referenzpunkt jeder Zuschreibung. Seriöse Provenienzprüfung beginnt mit der Anfrage beim Nakashima Studio, das gegen Gebühr eine Bestätigung ausstellen kann, sofern das Stück in den Unterlagen auffindbar ist.
Signaturen sind bei Nakashima kein durchgängiges Kriterium. Frühere Arbeiten tragen häufig gar keine Signatur; ab den späten 1950er Jahren finden sich mitunter mit schwarzem Filzstift auf der Unterseite notierte Kundennamen, die mit den Auftragskarten korrespondieren. Ein fehlender Schriftzug disqualifiziert ein Stück also nicht, ein vorhandener beweist nichts ohne Aktenlage. Für die Zeit seit 1990 unterscheidet der Markt sauber zwischen Lebzeit-Arbeiten Georges, autorisierten posthumen Ausführungen des Studios unter Mira Nakashima und den zahlreichen “in der Art von”-Kopien, die die Preisentwicklung ab den 2000er Jahren hervorgebracht hat.
Beim Zustand ist Zurückhaltung geboten. Nakashimas Oberflächen sind mit Tungöl behandelt, nicht lackiert; eine Aufarbeitung mit Schleifpapier zerstört die Patina und mindert den Wert erheblich. Kleine Risse, Verzug entlang der Waldkante und leichte Fleckenbildung sind materialimmanent und kein Mangel. Kritisch prüft man dagegen die Butterfly-Keile auf spätere Ergänzung, die Beinansätze auf Nachlassungen und, bei Conoid Chairs, die Spindeln auf Bruch oder Austausch.
Auf mid-centurydesigns.com wird jedes zugeschriebene Stück gegen die verfügbaren Studio-Unterlagen abgeglichen, die Oberflächenhistorie dokumentiert und die konstruktiven Details fotografisch belegt. Du findest zu jedem Objekt eine nachvollziehbare Herkunftskette, eine ehrliche Zustandsbeschreibung und, wo vorhanden, die Reproduktion der originalen Auftragskarte. Was wir nicht belegen können, verkaufen wir nicht als Nakashima.
Dieser Artikel wurde von einem KI-System automatisiert erstellt. Kennzeichnung gemäß Art. 50 der EU-KI-Verordnung.
