Charles und Ray Eames: Zwei Stimmen, ein Werk
Kaum ein Designerduo hat das 20. Jahrhundert so nachhaltig geprägt wie Charles Ormand Eames Jr. (1907–1978) und Ray Kaiser Eames (1912–1988). Ihre Zusammenarbeit begann 1941 in Los Angeles, kurz nachdem beide am Cranbrook Academy of Art in Michigan gearbeitet hatten, wo Charles gemeinsam mit Eero Saarinen Experimente mit dreidimensional geformtem Sperrholz angestellt hatte. Was folgte, war kein bloßes Handwerk, sondern ein methodisch betriebenes Forschungsprojekt: Wie lässt sich industriell gefertigtes Material in Formen bringen, die dem menschlichen Körper tatsächlich gerecht werden? Diese Frage durchzieht das gesamte Werk der Eames, vom Molded Plywood Chair von 1946 bis zum Aluminium Group Chair von 1958. Wer heute ein Stück von Charles und Ray Eames besitzt oder erwerben möchte, kauft nicht allein ein Objekt, sondern einen Beweis dafür, dass Funktion, Ästhetik und industrielle Reproduzierbarkeit keine Gegensätze sind.
Charakteristische Materialien und Fertigungsverfahren
Das Eames-Werk lässt sich nicht auf eine einzige Materialsprache reduzieren, und genau darin liegt seine analytische Stärke. Die frühen Arbeiten mit dreidimensional geformtem Birkensperrholz, bekannt als DCW (Dining Chair Wood) und DCM (Dining Chair Metal), entstanden mit einer eigens von Charles Eames mitentwickelten Heißpress-Technik, dem sogenannten Kazam! Machine-Verfahren, das Sperrholz in mehrere Raumachsen gleichzeitig biegen konnte. Herman Miller und Zenith Plastics brachten ab 1950 die erste in Großserie gefertigte Glasfaserschale auf den Markt, die Plastic Armchair Shell (DAR, DAX, DAW, DSR), gefertigt aus mit Glasfasern verstärktem Polyester. Diese Schalen wurden bis 1989 von Herman Miller produziert, danach aus Umweltschutzgründen auf Polypropylen umgestellt. Originale Glasfaserschalen aus den 1950er und 1960er Jahren sind an ihrer leicht körnigen, haptisch spürbaren Oberfläche erkennbar und erzielen auf dem Sammlermarkt deutlich höhere Preise als spätere Auflagen. Der 1956 eingeführte Eames Lounge Chair (670) und das dazugehörige Ottoman (671) verbinden geformtes Rosenholzfurnier mit schwarzem Leder und einer Aluminiumkonstruktion. Das ursprünglich verwendete Brasilianische Rosenholz (Palisander) wurde Ende der 1980er Jahre durch andere Holzarten ersetzt, da Dalbergia nigra unter internationalen Artenschutz gestellt wurde. Stücke mit originaler Palisanderholzschale aus der Erstproduktion sind entsprechend seltener und dokumentationsintensiver.
Regionale Schulen, Einflüsse und der Kontext California Modernism
Das Werk der Eames lässt sich nicht sinnvoll verstehen, ohne die Designökologie Südkaliforniens der Nachkriegsjahre zu kennen. Ihr Studio in Venice, Los Angeles, war ab 1943 ein Knotenpunkt für Architekten, Filmemacher, Künstler und Ingenieure. Die sogenannte California Modern School, zu der neben den Eames auch Richard Neutra, Craig Ellwood und Raphael Soriano gehörten, verstand das Haus nicht als repräsentativen Raum, sondern als offenes System. Das Case Study House No. 8, das sogenannte Eames House, das Charles und Ray 1949 in Pacific Palisades fertigstellten, ist bis heute ein Schlüsseldokument dieser Haltung: vorgefertigte Stahlelemente, industrielle Materialien, ein fließender Übergang zwischen Innen- und Außenraum. Parallel dazu standen die Eames in engem Kontakt mit der New Yorker Designwelt, insbesondere mit dem Museum of Modern Art, das 1946 die Ausstellung New Furniture Designed by Charles Eames ausrichtete, die erste Einzelausstellung des MoMA für einen Möbeldesigner. Der Dialog zwischen dem pragmatischen Modernismus der Westküste und dem intellektuellen Designdiskurs New Yorks ist eine der prägenden Spannungen im Eames-Werk, die es von einem rein regionalen Phänomen unterscheidet. Europäische Einflüsse, insbesondere aus dem Bauhaus, flossen über Emigranten wie László Moholy-Nagy und Herbert Bayer in den amerikanischen Designdiskurs ein und bildeten den historischen Boden, auf dem das Eames-Werk gewachsen ist.
Authentizität und Zustand: Was Sammler wissen müssen
Der Markt für Eames-Möbel ist groß, unübersichtlich und von einer erheblichen Zahl an Reproductions, Reissues und schlicht gefälschten Stücken durchzogen. Die Unterscheidung zwischen einem originalen Vintage-Stück, einem autorisierten Reissue von Herman Miller oder Vitra sowie einer nicht autorisierten Replik ist für den informierten Sammler entscheidend, da sie den Wert eines Stückes um ein Vielfaches beeinflusst. Originale Stücke aus den 1950er bis frühen 1970er Jahren tragen in der Regel Herstellermarken von Zenith Plastics (für frühe Glasfaserschalen), Herman Miller oder dem Evans Products Company-Label (für frühe Sperrholzstücke). Ab 1958 verwendete Herman Miller ein genormtes Etikettensystem, das auf der Unterseite der Schalen oder am Stuhlgestell angebracht wurde. Glasfaserschalen können auf ihre Authentizität geprüft werden, indem man die Oberfläche gegen das Licht hält: Originale aus der Zenith-Produktionszeit zeigen eine charakteristische, leicht transluzente Faserstruktur. Beim Eames Lounge Chair ist neben der Holzart auch die Polsterung ein Datierungsindikator: Frühe Exemplare haben einen abgerundeten, nach innen geneigten Rückenpolster (sogenannter “baseball glove”-Winkel), der in späteren Produktionsjahren leicht verändert wurde. Zustandsbewertung bedeutet bei Eames-Stücken nicht allein die Abwesenheit von Beschädigungen: Eine originale, unrestaurierte Patina auf Leder oder Sperrholz ist für viele Sammler wertvoller als eine nachträglich ausgeführte Restaurierung, sofern die Substanz erhalten ist.
Auf mid-centurydesigns.com wird jedes Eames-Stück vor der Aufnahme in das Sortiment einzeln geprüft. Die Prüfung umfasst die Verifizierung von Herstellermarken, die Einschätzung der Produktionsperiode anhand von Material und Konstruktionsdetails sowie eine ehrliche Zustandsdokumentation mit Originalfotografie. Was du dort findest, ist nicht das Ergebnis eines Algorithmus, sondern einer kuratorischen Entscheidung auf Basis von Designgeschichte und Provenienzkenntnis.