KATEGORIE · EGG CHAIR

Egg Chair – ein Hotelsessel von 1958, der Technik und Skulptur zusammenführt

Für das SAS Royal Hotel entworfen und bis heute ein Prüfstein für organisches Sitzmöbeldesign

Die Quellenlage zum Egg Chair ist ungewöhnlich gut: Arne Jacobsens offizielles Werkverzeichnis datiert den Entwurf auf 1958 und verortet ihn im Total Design des SAS Royal Hotel. Fritz Hansen erklärt die Formfindung über Draht- und Gipsmodelle, und das Metropolitan Museum beschreibt ein Exemplar von 1958 mit ox-hide upholstery, plastic and aluminum sowie einem foam-covered molded-plastic frame. Genau deshalb lässt sich dieser Sessel sachlich besser einordnen als viele bloß stilistisch vermarktete Lounge Chairs.

mid-century·designs

Egg Chair

ESSAY · 01

Werk & Kontext

mid-century·designs

Der Egg Chair ist nur dann wirklich interessant, wenn man ihn nicht bloß als fotogene Silhouette liest

Beim Egg Chair lohnt sich der Blick in die belastbaren Quellen mehr als in die üblichen Design-Klischees. Das offizielle Werkprofil auf arnejacobsen.com führt den Entwurf klar als Furniture 1958 und bezeichnet ihn als part of the total design for SAS Royal Hotel. Auf der Egg-Seite von Fritz Hansen wird der Sessel als Werk von Arne Jacobsen beschrieben, dessen Form durch Experimente mit Draht und Gips entwickelt wurde. Das Metropolitan Museum of Art ergänzt eine museal präzise Materialangabe: ox-hide, plastic, aluminum sowie eine foam-covered molded-plastic frame-Konstruktion.

Gerade diese Überlappung ist für Käufer wichtig. Der Egg Chair ist eben nicht nur ein weich gerundeter Lounge-Sessel des skandinavischen Modernismus, sondern ein gut dokumentiertes Objekt an der Schnittstelle von Architektur, industrieller Fertigung und Sitzkomfort. Wer verwandte Kontexte lesen möchte, kann auch unsere Seite zu Arne Jacobsen, den Panton Stuhl oder direkt den Shop aufrufen.

Der Ursprung liegt im Hotelprojekt, nicht in einer abstrakten Stilidee

Das Werkverzeichnis von Arne Jacobsen nennt den Egg Chair einen pivotal element seiner Innenarchitektur für das SAS Royal Hotel. Damit ist die wichtigste Einordnung gesetzt: Der Sessel entstand nicht als freies Einzelobjekt, sondern innerhalb eines größeren architektonischen Zusammenhangs. Auch das Met hält fest, dass der Stuhl ursprünglich für das SAS Royal Hotel in Copenhagen entworfen und erst später in general production überführt wurde.

Für den Markt ist das relevant, weil sich hieraus ein anderer Blick auf Authentizität ergibt. Der Egg Chair ist nicht bloß ein „Icon Chair“, sondern ein Möbel aus einem präzisen Entwurfszusammenhang. Wer ihn sachlich beurteilen will, sollte also immer Hotelkontext, Herstellerbezug, Produktionsphase und Materiallogik zusammen lesen.

Die Schale war technologisch neu gedacht

Besonders aufschlussreich ist die technische Beschreibung bei Arne Jacobsen selbst. Dort heißt es, die Stühle für das SAS Royal Hotel seien anstelle von Stahlrahmen und Holz in einem hard foam material geformt, danach gepolstert und bezogen worden. Das ist ein entscheidender Punkt: Die umhüllende Form des Egg Chair wirkt nicht nur organisch, sie hängt direkt an einer damals neuen Fertigungslogik.

Das Metropolitan Museum bestätigt diese Lesart mit seiner Objektbeschreibung eines 1958 datierten Exemplars. Dort wird der Sessel als ox-hide upholstery über einem foam-covered molded-plastic frame mit aluminum beschrieben. Für Sammler ist das mehr als eine Materialnotiz. Es erklärt, warum gute Originale ihre Spannung aus der exakten Beziehung zwischen Schale, Polsterung und Fuß beziehen – und warum schlechte Nachbauten oft trotz ähnlicher Silhouette stumpf oder schwerfällig wirken.

Auch die Formfindung ist konkret dokumentiert

Fritz Hansen liefert einen selten präzisen Hinweis zur Entstehung der Form: Jacobsen found the perfect shape for the chair by experimenting with wire and plaster in his garage. Dieser Satz ist deshalb so nützlich, weil er die Gestalt des Egg Chair aus dem diffusen Bereich des Mythos herausholt. Die Kontur ist keine bloß dekorative Kurve, sondern das Resultat einer modellierten, getesteten und bewusst verdichteten Formsuche.

Für den Vintage-Kauf ist genau das der Mehrwert. Man sollte nicht nur auf den Gesamteindruck achten, sondern auf Schalenproportion, Übergang zwischen Rücken und Flanken, Spannung des Bezugs, Ausführung des Aluminiumfußes und dokumentierte Herkunft. Erst wenn diese Punkte stimmen, wird aus einem bekannten Designbild ein überzeugendes Mid-Century-Objekt mit Substanz.

Quellen

FAQ · 02

Häufig gefragt zu Egg Chair

5 Antworten

01
Wann entstand der Egg Chair?
Arne Jacobsens offizielles Werkverzeichnis führt den Egg Chair unter Furniture 1958. Auch das Metropolitan Museum datiert seinen "Egg" Armchair auf 1958.
02
Für welchen Kontext wurde der Sessel entworfen?
Die Arne-Jacobsen-Quelle beschreibt den Egg Chair als Teil des Total Design für das SAS Royal Hotel in Kopenhagen. Das Met ergänzt, dass das Modell ursprünglich für dieses Hotel entworfen und später in die allgemeine Produktion übernommen wurde.
03
Was sagt die Quellenlage zur Konstruktion?
Arne Jacobsen erklärt, dass die Stühle für das SAS Royal Hotel statt aus Stahlrahmen und Holz in einem harten Schaummaterial geformt und anschließend gepolstert sowie bezogen wurden. Das Metropolitan Museum beschreibt seinen Sessel als ox-hide upholstery über einem foam-covered molded-plastic frame mit aluminum.
04
Wie beschreibt Fritz Hansen die Formfindung?
Fritz Hansen schreibt, Jacobsen habe die perfekte Form des Sessels durch Experimente mit Draht und Gips in seiner Garage gefunden. Gerade dieser Hinweis macht klar, dass die markante Silhouette nicht zufällig entstand, sondern Ergebnis einer konkreten Modellierarbeit war.
05
Worauf sollte man beim Vintage-Kauf besonders achten?
Entscheidend sind ein belastbarer Herstellerbezug zu Fritz Hansen, die stimmige Proportion der umhüllenden Schale, Materialkonsistenz an Bezug, Schaumkörper und Aluminiumfuß sowie eine saubere Provenienz. Gerade bei einem so bekannten Objekt sind spätere Kopien oft an abweichender Schalenwirkung und minderwertigen Fußdetails erkennbar.

GLOSSAR · 03

Verwandte Begriffe

6 Einträge

SAS Royal Hotel
Kopenhagener Hotelprojekt, für das Arne Jacobsen den Egg Chair laut offiziellem Werkverzeichnis als Teil eines umfassenden Total Design entwickelte.
Total Design
Gestalterischer Ansatz, bei dem Architektur, Innenraum und Möbel als zusammenhängendes Ganzes entworfen werden. Beim SAS Royal Hotel ist der Egg Chair ein besonders bekanntes Beispiel dafür.
hard foam material
Formulierung aus dem Arne-Jacobsen-Werkverzeichnis für die technologische Grundlage der Hotelstühle, die statt mit Stahlrahmen und Holz in hartem Schaummaterial geformt wurden.
molded-plastic frame
Materialbeschreibung des Metropolitan Museum, das den Egg Chair mit foam-covered molded-plastic frame katalogisiert und damit den skulpturalen Schalencharakter konkret benennt.
aluminum star base
Der Aluminiumfuß ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal des Sessels. Das Metropolitan Museum nennt aluminum ausdrücklich unter den Materialien seines 1958er Exemplars.
Fritz Hansen
Dänischer Hersteller, den die Museums- und Herstellerquellen direkt mit dem Egg Chair verbinden und der das Modell bis heute als Schlüsselwerk Arne Jacobsens führt.