KATEGORIE · CYLINDA-LINE

Cylinda-Line – präzise Zylinder, strenge Griffe und ein selten klar dokumentierter Designklassiker

1967 brachte Stelton Arne Jacobsens Serie nach drei Jahren Entwicklung auf den Markt – und genau diese lange Entwicklung erklärt ihre bis heute so kontrollierte Form

Für viele Käufer wirkt Cylinda-Line zuerst wie eine allgemeine Chiffre für skandinavischen Edelstahl. Die belastbaren Quellen erzählen aber etwas Genaueres: Stelton datiert die Entstehungsgeschichte auf ein Familienessen 1964 und die Markteinführung nach drei Jahren Entwicklung im Jahr 1967; die Arne-Jacobsen-Seite von Stelton nennt außerdem zwei frühe Auszeichnungen; das V&A dokumentiert einzelne Objekte der Serie mit Designer, Hersteller, Material, Ort und Produktionsdaten. Gerade diese Quellenlage macht Cylinda-Line im Shop-Kontext ungewöhnlich gut lesbar.

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Cylinda-Line

ESSAY · 01

Werk & Kontext

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Cylinda-Line ist nicht einfach „Skandi-Edelstahl“, sondern eine sehr präzise erzählte Produktgeschichte

Bei der Cylinda-Line lohnt es sich, die Geschichte nicht zu verkürzen. Auf der offiziellen Stelton-Seite zur Serie beginnt alles mit einem Familienessen im Frühjahr 1964 bei Arne Jacobsen. Dort versuchte Peter Holmblad, damals Stelton-Inhaber und Jacobsens Stiefsohn, den Designer für eine komplette Serie zu gewinnen: Barzubehör, Aschenbecher sowie Stücke für Kaffee und Tee. Entscheidend ist die nächste Information derselben Quelle: Für die Produktion musste eine neue Fertigungsmethode entwickelt werden, und erst nach drei Jahren intensiver Entwicklung wurde die Reihe 1967 eingeführt.

Gerade das ist im Shop-Kontext nützlich. Viele Edelstahlobjekte werden heute pauschal als „skandinavisch“ oder „Jacobsen-Stil“ beschrieben. Bei Cylinda-Line ist die Entstehung aber ungewöhnlich konkret belegbar: Idee 1964, Markteinführung 1967, Stelton als Hersteller und Arne Jacobsen als Entwerfer. Wer auf mid-century·designs nach dokumentierten Designobjekten sucht, findet hier also kein bloßes Stilgefühl, sondern ein sauber verortbares Produktprogramm.

Die V&A-Objekte zeigen, dass die Serie nicht nur formal streng, sondern auch funktional differenziert ist

Das Victoria and Albert Museum macht den Mehrwert der Serie besonders greifbar, weil dort einzelne Objekte separat beschrieben sind. Die Teekanne der Cylinda-Line wird als 1967 entworfen, 1968 gefertigt geführt; als Hersteller nennt das V&A Stelton Ltd, als Designer Arne Emil Jacobsen, als Material einen Edelstahlkörper mit Griff aus synthetischer Komposition. Die Beschreibung ist sehr konkret: ein breiter Zylinderkörper, dazu ein langer konischer Ausguss mit halbkreisförmigem Querschnitt und ein schwarzer, rechtwinklig wirkender Griff.

Beim Eiskübel dokumentiert das V&A dieselbe Datierung, bleibt aber funktional noch genauer: Der Behälter hat eine isolierte Innenauskleidung und zwei halbkreisförmige Griffe, die außen waagerecht ruhen und sich nach oben zusammenführen lassen. Damit wird sichtbar, warum Cylinda-Line sammlerisch mehr ist als eine spiegelnde Metalloberfläche. Die Serie arbeitet mit konsequenter Geometrie, aber eben nicht blind: Jedes Teil löst eine konkrete Aufgabe mit minimalen Mitteln.

Stelton selbst erklärt, warum Cylinda-Line bis heute als Kern der Marke gelesen wird

Die Arne-Jacobsen-Seite von Stelton formuliert es ungewöhnlich offen: Cylinda-Line sei „the essence of Stelton’s design DNA“. Dort steht auch, dass die Serie 1967 mit dem ID-prize der Danish Society of Industrial Design ausgezeichnet und 1968 mit dem International Design Award des American Institute of Interior Designers geehrt wurde. Das sind keine austauschbaren Werbesätze, sondern Hinweise darauf, wie schnell die Serie institutionell wahrgenommen wurde.

Für Käufer ist das relevant, weil sich damit ein Unterschied zwischen bloß „ähnlichem Edelstahlgeschirr“ und tatsächlich dokumentierter Cylinda-Line beschreiben lässt. Wer solche Objekte kauft, sollte nicht nur auf Glanz und Zustand achten, sondern auf Proportionen, Griffgeometrie, Deckelkonstruktion, Materialkontrast und nachvollziehbare Zuordnung. Mehr Kontext bietet auch unsere Seite zu Arne Jacobsen sowie der kuratierte Shop.

Quellen

FAQ · 02

Häufig gefragt zu Cylinda-Line

5 Antworten

01
Wann entstand die Cylinda-Line genau?
Stelton datiert die Ursprungsgeschichte auf ein Familienessen im Frühjahr 1964 bei Arne Jacobsen. Laut Stelton brauchte die Entwicklung anschließend drei Jahre; auf den V&A-Seiten sind Teekanne und Eiskübel als 1967 entworfen und 1968 gefertigt dokumentiert.
02
Wer war für Entwurf und Herstellung verantwortlich?
Die V&A-Sammlungsseiten nennen Arne Emil Jacobsen als Designer und Stelton Ltd als Hersteller. Auch die offizielle Stelton-Seite zu Arne Jacobsen ordnet Cylinda-Line ausdrücklich ihm zu.
03
Aus welchem Material besteht die Serie?
Das V&A führt die gezeigten Objekte der Serie als Edelstahlobjekte. Bei der Teekanne nennt das Museum zusätzlich einen schwarzen Griff aus synthetischer Komposition; beim Eiskübel beschreibt es einen isolierten Innenkörper.
04
Warum gilt die Serie als designhistorisch wichtig?
Stelton bezeichnet Cylinda-Line als einen Kern der eigenen Design-DNA und verweist auf die Auszeichnungen ID-prize 1967 sowie International Design Award 1968. Die V&A-Objekte zeigen, wie konsequent Jacobsen die Geometrie vom Krug bis zum Eiskübel durchhielt.
05
Worauf sollte man beim Kauf älterer Cylinda-Line-Stücke achten?
Wichtig sind Proportionen, die saubere zylindrische Form, korrekt gelöste Griffe und Deckel sowie Materialtreue. Bei Kannen helfen besonders Fotos von Ausguss, Griff, Deckelring und Boden; beim Eiskübel sind die halbkreisförmigen Bügel und die innere Isolierung wichtige Vergleichsmerkmale.

GLOSSAR · 03

Verwandte Begriffe

6 Einträge

Peter Holmblad
Stelton-Inhaber und Stiefsohn Arne Jacobsens, der laut Stelton die Idee zu einer kompletten Bar- und Servierserie vorantrieb und Jacobsen 1964 in das Projekt zog.
Cylinda-Line
Edelstahlserie für Stelton, die Arne Jacobsen laut Stelton 1967 auf den Markt brachte. Charakteristisch ist die strenge Ableitung vieler Objekte aus dem Zylinder.
ID-prize 1967
Auszeichnung, die Stelton auf der Arne-Jacobsen-Seite als frühen Preis für Cylinda-Line nennt; verliehen von der Danish Society of Industrial Design.
International Design Award 1968
Zweite von Stelton genannte Auszeichnung für Cylinda-Line, verliehen laut Hersteller vom American Institute of Interior Designers.
V&A Collections
Sammlungsdatenbank des Victoria and Albert Museum, die für Cylinda-Line konkrete Objektangaben zu Teekanne und Eiskübel mit Datierung, Material, Hersteller und Designer liefert.
Synthetische Komposition
Materialangabe des V&A für den schwarzen Griff der Cylinda-Line-Teekanne; wichtig, weil die Serie nicht nur aus blankem Edelstahl besteht, sondern Materialkontraste gezielt einsetzt.