KATEGORIE · BJÖRN WIINBLAD VASE

Björn Wiinblad Vase – Poesie in Keramik

Dänisches Kunsthandwerk zwischen Märchen und Modernismus

Jede Björn Wiinblad Vase vereint zeichnerische Präzision mit keramischer Meisterschaft. Fantasiefiguren, fließende Linien und eine unverwechselbare Farbpalette machen diese Objekte zu begehrten Sammlerstücken der nordischen Designgeschichte.

mid-century·designs

Björn Wiinblad Vase

ESSAY · 01

Werk & Kontext

mid-century·designs

Die Björn Wiinblad Vase als Gesamtkunstwerk des nordischen Designs

Björn Wiinblad (1918–2006) gehört zu den faszinierendsten Grenzgängern zwischen bildender Kunst und angewandtem Handwerk, die das dänische 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Sein Werk entfaltet sich in einem Spektrum, das von Buchillustration und Bühnenbildentwurf bis zur Keramik reicht – und es ist gerade die Keramik, in der sich seine unverwechselbare Bildsprache am reinsten materialisiert. Eine Björn Wiinblad Vase ist kein bloßes Gebrauchsobjekt, sondern ein plastisch gewordenes Narrativ: Frauen mit Mondgesichtern, stilisierte Bäume, ornamentale Architekturen – Motive, die an persische Miniaturmalerei ebenso erinnern wie an den europäischen Jugendstil.

Die formale Qualität dieser Arbeiten beruht auf einer Jahrzehnte währenden Auseinandersetzung mit dem Ton als Medium. Wiinblad arbeitete zunächst in seinem eigenen Atelier in Lyngby, bevor ihn Rosenthal ab den frühen 1950er-Jahren als künstlerischen Kollaborateur gewann. Diese Partnerschaft, die bis in die 1990er-Jahre andauerte, prägte eine zweite, industriell reproduzierte Werklinie – ohne dass die Handschrift des Künstlers je an Schärfe verlor.

Die frühen Atelierarbeiten: Warum jede frühe Björn Wiinblad Vase ein Unikat ist

Die zwischen 1946 und den frühen 1960er-Jahren in Wiinblads eigenem Atelier entstandenen Stücke gelten als die sammlerwürdigsten innerhalb seines Gesamtwerks. Jede einzelne Björn Wiinblad Vase aus dieser Periode ist handgefertigt, handbemalt und signiert – Abweichungen in Glasur, Farbauftrag und Form sind nicht Fehler, sondern Belege der Authentizität. Die charakteristischen Engobe-Dekore, bei denen Wiinblad mit hellem Schlicker auf dunklem Scherben arbeitete, erzeugen eine Tiefenwirkung, die fotografisch kaum zu erfassen ist und erst in der physischen Betrachtung ihre volle Wirkung entfaltet.

Provenienz und Signatur sind bei Atelierarbeiten entscheidend. Wiinblad signierte seine frühen Stücke häufig mit einem stilisierten Namenszug sowie einer Jahresangabe. Einige Serien tragen zusätzlich Nummern oder Titelangaben, die auf konkrete Motivzyklen verweisen. Händler und Auktionshäuser, die diese Kriterien nicht benennen können, sollten mit Vorsicht betrachtet werden.

Die Rosenthal-Kollaboration und die serielle Björn Wiinblad Vase

Mit der Kooperation mit dem deutschen Porzellanhaus Rosenthal betrat Wiinblad ein neues Terrain: die künstlerische Arbeit im industriellen Kontext. Die für Rosenthal entworfenen Vasen und Gefäße unterscheiden sich in Materialität und Reproduzierbarkeit fundamental von den Atelierarbeiten, stehen künstlerisch jedoch in keiner Weise zurück. Die Entwürfe wurden als Serien aufgelegt, wobei bestimmte Auflagen heute ebenfalls erhebliche Sammlerwerte erreichen. Erkennungsmerkmale sind das Rosenthal-Markenzeichen auf der Unterseite sowie die modellnummernbasierte Dokumentation, die eine zuverlässige Datierung erlaubt.

Für Einsteiger in das Sammelgebiet bietet die Rosenthal-Linie einen zugänglicheren Einstieg – sowohl preislich als auch in Bezug auf die Verfügbarkeit gesicherter Provenienzinformationen.

Kriterien für den Kauf einer authentischen Björn Wiinblad Vase

Die Marktlage für Wiinblad-Keramik ist lebendig, aber nicht frei von Fallstricken. Reproduktionen, späte Nachauflagen und Fehlattributionen zirkulieren regelmäßig. Beim Erwerb einer Björn Wiinblad Vase sollten folgende Aspekte geprüft werden: erstens die Signatur in Kombination mit einer nachvollziehbaren Entstehungsgeschichte; zweitens der Zustand der Glasur ohne spätere Überarbeitungen oder Retuschen; drittens die Übereinstimmung von Motiv und Formensprache mit dokumentierten Werkverzeichnissen.

Auf mid-centurydesigns.com wird jedes Stück vor der Aufnahme in den Bestand durch Spezialisten geprüft. Zertifikate, Abbildungen der Bodenmarkierungen und Zustandsberichte sind für alle gelisteten Objekte verfügbar.

FAQ · 02

Häufig gefragt zu Björn Wiinblad Vase

5 Antworten

01
Wie erkenne ich eine originale Björn Wiinblad Vase aus dem Atelierbetrieb?
Atelierarbeiten tragen in der Regel einen handgeschriebenen Namenszug, oft ergänzt um eine Jahreszahl. Der Scherben ist häufig dunkler Steinzeugton mit hellem Engobe-Dekor. Fehlende oder aufgedruckte Signaturen sind ein Warnsignal. Ein Vergleich mit publizierten Werkverzeichnissen und Auktionsdokumentationen schafft zusätzliche Sicherheit.
02
Welche Serien entstanden in der Zusammenarbeit mit Rosenthal?
Wiinblad entwarf für Rosenthal über mehrere Jahrzehnte Vasen, Teller und Gefäße in charakteristischen Motivzyklen – darunter die bekannten Jahreszeiten- und Frauenfiguren-Serien. Diese Stücke tragen das Rosenthal-Bodenzeichen, eine Modellnummer sowie häufig den Wiinblad-Schriftzug als Druckmarke oder Prägung.
03
Welche Preisklassen sind bei Wiinblad-Keramik zu erwarten?
Frühe Atelierarbeiten erzielen auf internationalen Auktionen je nach Größe, Motiv und Zustand Preise zwischen 800 und mehreren tausend Euro. Rosenthal-Serien beginnen im niedrigen dreistelligen Bereich. Limitierte Sonderauflagen und großformatige Einzelstücke liegen deutlich höher und sind zunehmend selten im offenen Handel verfügbar.
04
Ist Wiinblad-Keramik aus den 1970er-Jahren sammlerwürdig?
Ja. Auch Arbeiten aus den 1970er-Jahren – sowohl Atelierproduktionen als auch Rosenthal-Editionen – erfahren wachsende Sammlernachfrage. Die Qualität der Ausführung blieb konstant hoch. Besonders Serien mit geschlossenen Motivfolgen oder dokumentierter Ausstellungsgeschichte erzielen überdurchschnittliche Marktwerte.
05
Wie sollte eine Wiinblad-Keramik aufbewahrt und gepflegt werden?
Keramikarbeiten dieser Art sollten vor direktem Sonnenlicht und starken Temperaturschwankungen geschützt werden. Reinigung ausschließlich mit leicht feuchtem, weichem Tuch – keine Scheuermittel. Glasurrisse sind häufig altersbedingt und mindern den Sammlerwert nur marginal, sofern sie nicht durch unsachgemäße Lagerung entstanden sind.

GLOSSAR · 03

Verwandte Begriffe

7 Einträge

Rosenthal Studio-Linie
Seit den 1950er-Jahren betriebene Designkooperation des bayerischen Porzellanhauses Rosenthal mit internationalen Künstlern. Die Studio-Linie verband industrielle Serienproduktion mit künstlerischem Einzelentwurf und prägte das europäische Designporzellan nachhaltig.
Engobe
Flüssig aufgetragene Tonschlickerschicht, die vor dem Brand auf den lederharten Scherben aufgebracht wird. Erzeugt mattes, farbtief strukturiertes Oberflächenbild und ist ein charakteristisches Merkmal von Wiinblads frühen Atelierkeramiken.
Saxbo-Keramik
Einflussreiche dänische Keramikwerkstatt (1930–1968), gegründet von Nathalie Krebs. Stand für reduzierte, mineralisch glasierte Steinzeuge und prägte eine Generation dänischer Keramiker – stilistisch ein bewusster Gegenpol zur ornamentalen Bildsprache Wiinblads.
Arne Jacobsen
Dänischer Architekt und Designer (1902–1971), dessen Möbel- und Objektentwürfe den internationalen Begriff des Scandinavian Design mitdefinierten. Jacobsen arbeitete wie Wiinblad für industrielle Produzenten, fokussierte jedoch auf funktionalistisch-skulpturale Formgebung.
Steinzeug
Hochgebranntes keramisches Material mit dichtem, nicht oder kaum wassersaugfähigem Scherben. Gebrannt bei 1200–1300 °C. Bevorzugtes Material nordischer Studiopotöpfer des 20. Jahrhunderts wegen seiner plastischen Bearbeitbarkeit und Glasurvielfalt.
Tapio Wirkkala
Finnischer Designer und Bildhauer (1915–1985), der in Glas, Keramik und Holz arbeitete. Wie Wiinblad bewegte er sich zwischen Kunst und angewandtem Design; seine organischen Glasarbeiten für Iittala gelten als Höhepunkte nordischer Designgeschichte.
Lüsterglasur
Metalloxidhaltige Glasur, die nach einem zweiten Niedrigtemperaturbrand einen schimmernden, metallischen Oberflächeneffekt erzeugt. Technik mit Ursprung in der islamischen Keramik, im 20. Jahrhundert von europäischen Studiopotöpfern neu interpretiert.